Fashion

Adidas: Sneaker aus Plastikmüll

Sporthersteller Adidas plant einen Schuh aus recyceltem Meeresmüll zu produzieren. Flaschen, alte Fischernetze und anderer Plastikteile sollen der Rohstoff dafür sein.

Kooperationspartner für diese Idee ist die New Yorker Initiative „Parley for the Oceans„. Das ist ein Zusammenschluss aus Forschern, Aktivisten und Künstler, die es sich zum Ziel gemacht haben, den Meeresmüll zu vermindern und zu verwerten. Eine Idee dabei ist recyceltes „Bionic Yarn„. Das Konzept: Der Plastikmüll wird von Meeresschutzorganisationen wie Sea Shepherd auf hoher See eingesammelt. An Land wird der Müll dann geschreddert und zu Fasern weiter verarbeitet. Im Verbindung mit Baumwolle und Nylon lässt sich daraus ein Garn herstellen, aus dem neue Textilien entstehen. So plant Adidas das Obermaterial und Sohlen von Turnschuhen aus dem Garn herzustellen. Die Sneaker sollen dafür im 3D-Drucker hergestellt werden.

Ein erstes Produktvideo zeigt die Idee:

Damit nicht genug : Es soll noch T-Shirts mit Meeresplastik-Anteil zu kaufen geben. Auch die Produktion soll nach Angaben von Adidas umweltfreundlich sein. Weniger als ein Prozent des eingesetzten Materials fällt als Abfall an. Auch hat Adidas angekündigt bis 2016 komplett auf Plastiktüten verzichten zu wollen. Außerdem trennte man sich am Stammsitz in Herzogenaurach von Plastik-Wasserflaschen.

Alleiniger Vorreiter ist der Sporthersteller nicht. Bereits 2014 brachtet der niederländische Kleidungshersteller G-Star eine erste Recycling-Kollektion mit Meeresplastik heraus. Auch einige Outdoor-Hersteller wie The North Face nutzen inzwischen recyceltes Plastik für die Herstellung von Jacken. Ansätze, die einerseits zeigen, wie bemüht die Sporthersteller um ein nachhaltigeres Image sind, anderseits definitiv in die richtige Richtung zeigen. Schließlich wollen Adidas und Co die Sammlung des Plastiks mit Geld und öffentlicher Aufmerksamkeit unterstützen.

Plastikmüll droht das Ökosystem der Meere

Plastikmüll im Meer ist ein Problem, das man nicht ernst genug nehmen kann und jede Aufmerksamkeit gebrauchen kann. Die Auswirkungen von Plastikmüll auf die Weltmeer sind nämlich dramatisch. Tausende Seevögel, Robben, Wale, Meeresschildkröten und Fische verenden pro Jahr elendig, nachdem sie mit ihrer Nahrung Plastikteile verschluckt haben. Auch herrenlose Fischernetze sind für Meeresbewohner und Vögel eine große Gefahr. Sie verfangen sich in den sogenannten Geistesnetzen und sterben. Laut WWF machen alte Fischernetze rund ein Zehntel des Plastikmülls in den Weltmeeren aus – etwa 640.000 Tonnen. Bis sie vom Meer selbst zersetzt werden, dauert es oft Jahrzehnte. Seitdem immer mehr Mikroplastikpartikel in die Umwelt gelangen, gibt es noch ein neues Problem. Zum einen werden die Granulat-Kügelchen auch von kleinen Organismen aufgenommen, die am Anfang der Nahrungskette stehen, z. B. Muscheln. Die Mikropellets können nicht wieder ausgeschieden werden, verstopfen den Verdauungstrakt und die Schleimhäute der Organismen, die daran sterben.

Lösen wird ein Turnschuh oder eine Jacke mit Meeresplastik-Anteil diese Problematik allerdings kaum. Bis heute gibt es keine zufriedenstellende Lösung, um das Plastik aus den Meeren zu sammeln. An der Oberfläche treibt nämlich nur ein kleiner Teil der bis zu 140 Millionen Tonnen Abfall in den Weltmeeren. 70 Prozent sinkt hinab in die Tiefe. Ein weiteres Problem ist unser Konsumverhalten mit dem Trend zu „Viel, Billig, wenig Nachhaltig“. So entsteht deutlich mehr Müll als wiederverwertet werden kann. Und auch das Plastik selbst hat mehr als nur einen kleinen Design-Fehler. Das Material ist ressourcenintensiv in der Produktion und lässt sich kaum abbauen. Es gehört folglich weder in den Magen von Fischen, noch an den Fuß von Menschen. Deshalb versucht die Organisation „Parley for the Oceans“ auch ein Alternativmaterial zu entwickeln, dass sich mit der Zeit von alleine zersetzt.

Foto: adidas