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Buchtipp: Wolfgang M. Heckl – Die Kultur der Reparatur

Was wäre, wenn wir statt alte Dinge wegzuwerfen und wieder mehr reparieren würden? Die Antwort von Wolfgang Heckl ist eindeutig: Wir würden in einer besseren Welt leben.

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Wenn der Laptop-Akku ständig überhitzt oder der Vertrag des Handys ausläuft, landen unsere Elektrogeräte im Müll oder in der Schublade. Idealerweise achten wir noch auf das richtige Recycling. Für Wolfgang Heckl, Physiker und Generaldirektor des Deutschen Museums, ist das längst nicht genug. Denn aus seiner Sicht gibt es einen sehr einfachen Ausweg aus der Wegwerfgesellschaft: Wir müssen wieder reparieren lernen. Diesem Vorschlag hat der bekennende Bastler ein sehr lesenswertes Buch gewidmet – „Die Kultur der Reparatur“. Reparieren schont aus seiner Sicht nicht nur die knapper werdenden Ressourcen unserer Erde, sondern macht auch noch Spaß.

In seinem Buch erzählt Heckl von Repair-Cafés, in denen Menschen gemeinsam an alten Plattenspielern schrauben und aus Secondhandklamotten Designermode machen und von 3-D-Druckern, die jedes Ersatzteil schnell liefern können. Die Do-it-yourself-Bewegung wird in allen Facetten gezeigt, bei Youtube erklären Bastler, wie man defekte Küchengeräte repartiert oder beim iPhone den Akku wechselt. Im Prinzip ist das kein neues Modell, sondern eher Kulturtechniken, die im Laufe der Jahrzehnte zunehmend in Vergessenheit geriet. 10.000 Jahre lang war es normal, kaputte Gegenstände zu reparieren, sie wegzuwerfen hat sich erst in den letzten 50 Jahren etabliert.

Auf den knapp 200 Seiten erklärt Heckl sehr anschaulich die kulturelle Entwicklung der Reparatur.  Der Erzählton ist dabei nie belehrend, vielmehr berichtet er humorvoll von eigenen Versuchen eine Pumpe im Swimmingpool zu wechseln und den unzähligen Besuchen im Baumarkt. Mit einem Augenzwinkern legt uns „Die Kultur der Reparatur“ nahe, die Dinge um uns herum wieder wertzuschätzen – und macht vor allem eins: Lust auf Schrauben und Basteln.

Der Autor: Prof. Wolfgang M. Heckl, Physiker, geboren 1958 in Parsberg, ist seit 2004 Generaldirektor des Deutschen Museums in München und Inhaber des Oskar von Miller Lehrstuhls für Wissenschaftskommunikation an der TU München.

Wolfgang M. Heckl: Die Kultur der Reparatur, Hanser Verlag, 17,90 Euro.