Living

Der Deutsche Umweltpreis geht an das Fairphone

Das Fairphone will ein „faires“ Smartphone sein. Deshalb sind nur Rohstoffe verbaut, die unter für Mensch und Umwelt vertretbaren Bedingungen gewonnen und verarbeitet wurden. Für diesen Ansatz bekommt der niederländische Entwickler Bas van Abel nun den Deutschen Umweltpreis.

Die meisten Rohstoffe, die man zur Herstellung von Smartphones braucht, stammen aus Entwicklungsländern und Kriegsgebieten. Dort werden sie oft unter menschenunwürdigen Umständen gefördert und dienen nicht selten der Finanzierung von brutalen Rebellengruppen oder Terror-Milizen. Auch die ökologischen Folgen der Herstellung sind verheerend: Große Flächen Regenwald werden abgeholzt. Der Lebensraum von stark gefährdeten Tier- und Pflanzenarten geht verloren. Auch die aufwendige Endfertigung der Geräte in großen Fabriken in Asien erfolgt meist unter schlechten Arbeitsbedingungen. Die Kritik am Smartphone ist längst nicht neu. Trotzdem gibt es bisher nur wenig gute Lösungsansätze.

Ein Lichtblick: Der niederländische Startup-Unternehmer Bas van Abel will mit seinem „Fairphone“ alles anderes machen. Die erste Version des fairen Smartphones kam bereits 2013 auf den Markt. Technisch gesehen ist es ein grundsolides Smartphone mit Android-Betriebssystem. Der wesentliche Unterschied liegt in der fairen Produktion und Verarbeitung sowie der Nachhaltigkeit durch eine modulare Bauweise. Das Fairphone entwickelt sich zu einem so großen Erfolg, dass inzwischen ein verbessertes Nachfolger-Modell erschienen ist.

Fairphone

Hergestellt wird das Fairphone wie die meisten Smartphones in China. Allerdings versprechen van Abel und sein Team gute und faire Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter vor Ort. Ein Teil des Erlöses fließt außerdem in Fonds zum Ausbau von Schulen und Sozialprojekten. Auch die Rohstoffe für das Fairphone werden so nachhaltig und fair wie möglich gewonnen. Zum Beispiel kauft das Unternehmen vor allem Rohstoffe aus Minen in konfliktarmen Regionen, deren Gewinne nicht in die Finanzierung von Waffengeschäften und Kriegshandlungen fließen. Zertifiziert sind diese Minen durch Hilfsorganisationen wie Conflict Free Tin Initiative und Solutions for Hope.

Neben den fairen und umweltschonenden Produktionsbedingungen soll das Fairphone durch eine lange Lebensdauer und einer modularen Bauweise nachhaltiger werden. Das gesamte Smartphone besteht aus einzelnen Komponenten, die auch von „technisch-unbegabten“ Nutzern einfach ausgetauscht werden können. Dieses Reparaturmodell und die sorgfältige Auswahl der verwendeten Komponenten erhöhen die Haltbarkeit des Gerätes und geben den Besitzern mehr Verantwortung über die Instandhaltung ihrer Telefone. Sogar der Austausch von Kompenenten durch neuere Bauteile ist möglich. Dadurch ist das Fairphone deutlich länger haltbar als normale Smartphones. Außerdem fördert das Sartup Recycling-Programme für Elektroschrott.

Fairphone

Deutscher Umweltpreis für das Fairphone

Dieses Konzept hat auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt bei der Vergabe des Deutschen Umweltpreises überzeugt. „Wir brauchen dringend einen Wandel beim Umgang mit Handys und Smartphones, von denen es mehr auf der Erde gibt als Menschen“, sagt Generalsekretär Heinrich Bottermann. „Jedes Gerät ist mit wertvollen und vielfach nur unter großen Umweltbelastungen zu gewinnenden Metallen und Komponenten bestückt. Die meisten werden aber nach wenigen Jahren ausgemustert oder weggeworfen, obwohl sie noch voll funktionstüchtig sind. Diese irrwitzige Verschwendung von Rohstoffen ist nicht länger tragbar.“ Fairphone sei dabei ein wichtiger Wegbereiter für den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit in der ganzen Branche.

Der Deutsche Umweltpreis wird am 30. Oktober von Joachim Gauck übergeben und ist mit 250.000 Euro dotiert.

Video zum Fairphone:

Bilder: (c) Fairphone