Food, Living

Film-Tipp: Bottled Life – Geschäfte mit dem Wasser

Wie verwandelt man Wasser in Geld? Es gibt eine Firma, die das Rezept genau kennt: Nestlé. Der Dokumentarfilm „Bottled Life“ gibt einen erschreckenden Einblick in die Geschäftspraktiken des Schweizer Konzerns.

Update: Aktuell gibt es den Film kostenlos in der ARD-Mediathek.

Nestle dominiert den globalen Handel mit abgepacktem Trinkwasser. Für das Schweizer Unternehmen ist Wasser ein Lebensmittel und hat damit einen Preis. Mit dieser Einstellungen agiert es rücksichtslos am Markt, wie der Dokumentarfilm „Bottled Life“ von Regisseur Urs Schnell zeigt.

Zusammen mit dem Schweizer Journalist Res Gehöriger machte Schnell sich auf, einen Blick hinter die Kulissen des Milliardengeschäfts mit dem Trinkwasser zu werfen. Nestlé blockt ab. Es sei der falsche Film zur falschen Zeit, so das Statement des Unternehmens. Doch die Filmemacher ließen sich nicht abwimmeln. Sie reisten in die USA und in Länder mit extremer Wasserknappheit wie Nigeria oder Pakistan. Auf dieser Reise verdichtete sich ihr Eindruck über die Denkweisen und Strategien des mächtigsten Lebensmittelkonzerns der Welt.

Ein Interview mit dem Urs Schnell über seinen Film „Bottled Life“

In Pakistan gab es bis vor einigen Jahren noch kein Wasser aus der Flasche. Erst Nestle schaffte sich mit der Marke „Pure Life“ einen eigenen Markt. Eine Flasche kostet heute mehr als ein durchschnittlicher Arbeiter am Tag verdient. „Pure Life“ ist damit ein Produkt für die Oberschicht des Landes, allerdings zu Lasten der Armen. Durch die landesweite Wasserförderung ist der Grundwasserspiegel extrem gesunken. Viele Brunnen sind ausgetrocknet, das marode Leitungssystem steht vor dem Kollaps und die Wasserqualität hat sich weiter verschlechtert. Der Lebensmittelkonzern tut nichts.

„Mehr Kinder sterben jeden Tag an verschmutztem Wasser als an HIV, Aids, Krieg, Verkehrsunfällen und Malaria-Erkrankungen zusammen. Wasser ist Todesursache Nummer 1. Wenn da ein Unternehmen wie Nestlé kommt und sagt, wir haben die Antwort, Pure Life ist die Antwort, wir verkaufen euch Wasser, das wir aus euren eigenen Grundwasservorkommen nehmen, während aus den Leitungen nichts rauskommt oder nur eine ungeniessbare Brühe, dann muss ich einfach sagen, das ist mehr als unverantwortlich, das ist schon fast ein krimineller Akt.“

Dieses eindringliche Zitat stammt von Maude Barlow – UN-Chefberaterin für Wasserfragen 2008/09

Doch nicht nur in den Entwicklungsländern verwundert das Geschäftsgebaren des Unternehmens. In den USA verkauft Nestle ein Wasser namens „Poland Spring“. Besonders beliebt ist das Produkt in New York, eine Stadt mit einer sehr hohen Leitungswasser-Qualität. Das Wasser stammt aus dem Bundesstaat Maine. Dort leidet das Ökosystem massiv unter dem Geschäft mit dem Wasser. Die Poland-Spring-Quelle ist längst versiegt. Selbst Naturschutzgebiete sind von der Profitgier nicht sicher. Die Gewinnspanne ist für den Konzern einfach zu hoch. Eine Tankladung Wasser kostet Nestle zehn Dollar, der Umsatz daraus liegt bei 50.000 Dollar.

Nestle selbst hat alle Interviews zu diesem Thema verweigert und versuchte sogar den Film zu verhindern.

Der Trailer:

Bilder: (c) PR Bottled Water