Fashion

Gastbeitrag von Carina Fürbeck:Sharing is Caring – Übers Kleiderleihen und andere nachhaltige Mode-Konzepte

Marken wie hessnatur, Thokk Thokk oder Lovjoi treiben mit ihren nachhaltigen Labels positive Veränderung in der Fashion-Industrie voran. Doch haben wir uns letztens gefragt: Welche anderen Konzepte, außer grüne Modemarken, bereiten den Weg Richtung nachhaltige Kleidung? Ein Gastbeitrag von Carina Fürbeck. 

Dazu haben wir uns Inspiration von Carina Fürbeck geholt, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit schon seit vielen Jahren beruflich als auch privat auseinandersetzt. Nachdem sie einige Jahre im nachhaltigen Tourismus gearbeitet hat, setzt sie nun ihr Wissen rund um das Thema Nachhaltigkeit in der Modebranche ein. Neben dem Umstieg auf nachhaltige Marken, ist es Carina besonders wichtig einen bewussteren Umgang mit Kleidung zu fördern und diese vom Verbrauchs- zum Gebrauchsgegenstand zurück zu entwickeln.

Ihre konkreten Konzeptvorschläge auf dem Weg zu einem grüneren Kleiderschrank gibt’s hier:

Sharing Economy
Das Konzept der Sharing Economy hat bereits viele Bereiche unseres Lebens radikal verändert. So schlafen wir nicht mehr in sterilen und überteuerten Hotels, sondern in liebevoll eingerichteten und preiswerten AirBnB’s. Wir leihen uns Werkzeug, das wir nur selten brauchen im Baumarkt, anstatt es uns zu kaufen. Das Konzept ist einfach: Was man nicht Tag ein Tag aus braucht, wird gegen Bruchteil des Kaufpreises geliehen anstatt erworben. Dies schont nicht nur den Geldbeutel, sondern stellt zudem sicher, dass selten gebrauchte Ressourcen durch die Gemeinschaft häufig genutzt werden.

Auch in der Modeindustrie zeichnen sich die ersten Vertreter dieser Bewegung ab:

Abendmode
Gerade bei unserer Abendgarderobe stellt sich die Frage: Muss man die Ware besitzen oder braucht man sie in der Tat nur ein einziges Mal? Die Gästelisten ähneln sich schließlich in den meisten Fällen. Viele Events verlangen auch einen anderen Stil als den der letzten Party. Auch wenn es Carina schwerfällt, Kleider, die sie zu besonderen Festlichkeiten anhatte, nach dem Tragen zurückzuschicken, liegt es sowohl ökonomisch als auch ökologisch gesehen auf der Hand Abendmode zu leihen. Bei Chic by Choice und Dresscoded ist dies möglich.

Um sicherzustellen, dass das gemietete Abendkleid am Tag der Feierlichkeit passt, lohnt es sich, dieses bereits im Vorab zur Anprobe zu bestellen. Dies ist bei Chic by Choice gegen einen Aufpreis von 14,90€ möglich und dieser ist daher Carinas präferierter Anbieter. Auch die Auswahlmöglichkeiten sind größer und Mietpreise verhältnismäßig günstiger.

Jeans
Die Herstellung einer Jeans verbraucht geschätzt 7000 Liter Wasser. Trotzdem ersetzen wir diese regelmäßig, da sich Trends ändern oder wir Jeans durch häufiges Tragen abnutzen. Wäre es da nicht praktisch seine Jeans eintauschen zu können und sich deren Weiterverarbeitung sicher sein zu können? Genau dies ermöglicht der niederländischen Hersteller MUD Jeans, der auch nach Deutschland liefert. Bei diesem kann man seine Jeans für 7,50€ monatlich mieten und nach einem Jahr gegen ein neues Modell eintauschen. Die eingetauschte Jeans wird von MUD Jeans upgecycelt und weiterverkauft oder recycelt.

Wer seine Jeans lieben gelernt hat, hat auch die Möglichkeit, diese zu behalten, was Carina dazu gebracht hat den Anbieter zu nutzen. Sie kann so ihre absoluten Lieblingsjeans ihr Eigen nennen und Jeans, die sich für sie nur als kurzzeitiger Trend herausgestellt haben, nachhaltig eintauschen.

Cost per Wear anstatt Cost per Item
Generell gilt: Je länger und öfter wir einen gekauften Gegenstand nutzen, umso vorteilhafter für die Umwelt. Denn so gebrauchen wir bereits eingesetzte Ressourcen anstatt auf Neue zurückzugreifen. Dies gilt auch für Kleidung. Je öfter wir ein Kleidungsstück tragen, umso besser. Daher lohnt es sich bereits beim Kleiderkauf zu evaluieren, wie oft das Objekt der Begierde getragen wird. Ob sich der Kauf lohnt, kann dann mit der Formel der Cost per Wear evaluiert werden.

Selbstverständlich nutzen wir oft Getragenes auch schnell ab. Anstatt das Lieblingsstück zu ersetzen, sollte dies repariert werden. Wem hierzu die Fähigkeiten fehlen, kann sich an ein Repaircafé wenden, die sich seit deren Geburt in den Niederlanden mittlerweile vielerorts in Deutschland breitgemacht haben. Dort treffen sich Freiwillige, die einem dabei helfen, neben Elektrogeräten und Anderem, Kleidung zu reparieren. Die ideale Art und Weise gemeinschaftlich zu einer längeren Nutzung von Kleidung beizutragen!

Bloß nicht in den Müll damit: Verkaufen, tauschen oder verschenken heißt das Motto!
Irgendwann kommt bei den meisten der Zeitpunkt, an dem sie ein Kleidungsstück nicht mehr tragen. Für eine nachhaltige Entsorgung gibt es viele verschiedene Konzepte, und dabei wird eines klar: Die Mülltonne ist nur im seltensten Fall die beste Lösung.

Kleidung verkaufen
Ideale Kleidungsstücke zum Verkauf sind Fehlkäufe. Diese wegzuwerfen, wäre eine Umweltsünde und zudem hätte man ganz umsonst Geld ausgegeben. Gott sei Dank gibt es zahlreiche Möglichkeiten seine Kleidung weiterzuverkaufen. Zum einen kann man dies selber unternehmen, auf Plattformen wie dem Kleiderkreisel. Alternativ kann man das Ganze auslagern und seine gut erhaltene Kleidung an Momox zum Pauschalpreis verkaufen. Momox verkauft die Waren dann auf deren online Second-Hand-Plattform Ubup weiter.

Kleidung verschenken
Ist die Kleidung nicht mehr modisch oder gut genug erhalten, um sie zu verkaufen oder zu tauschen, dann ist verschenken die ideale Lösung. Dies kann man am Besten in lokalen Spendeneinrichtungen, welche Kleidercontainern vorzuziehen sind. Kleidercontainer schiffen Kleidung oftmals nach Afrika und verkaufen Kleidung dort weiter, was nicht dem ursprünglichen Zweck entspricht. Der Gang zum lokalen Spendeninstitut lohnt sich!

Kennt ihr noch andere Konzepte? Wir freuen uns von euch zu hören!

Mehr zum Thema nachhaltiger Umgang mit Kleidung und weitere Anregungen gibt es auf katoni.at.