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Goldeimer-Klopapier: Blatt um Blatt für eine bessere Welt

Die Hilfsorganisation Viva Con Agua und Startup Goldeimer wollen mit nachhaltigem Klopapier Gutes tun.

Das Wasser von Viva con Agua trinken wir gerne und regelmäßig. Mit jeder Flasche leistet die NGO einen kleinen Beitrag für eine bessere Wasserversorgung auf dieser Welt. Mit großem Erfolg: Mehr als 13 Millionen dieser Flaschen wurden 2015 verkauft. Zusammen mit Spenden finanziert die Hilfsorganisation so sauberes Trinkwasser für ungefähr 1,8 Millionen Menschen in Entwicklungsländern.

Mit dem nachhaltigen Goldeimer-Klopapier gibt es nun die nächste, ziemlich coole Social Business-Ideen aus dem Hause Viva con Agua in Zusammenarbeit mit dem Social Startup Goldeimer. Das dreilagige Toilettenpapier besteht zu 100% aus Recyclingpapier und wird ab sofort in Budni-Filialen in Hamburg und Umgebung verkauft. Eine Packung kostet 2,99 Euro. 20 Cent davon gehen direkt an Sanitär-Projekte der Welthungerhilfe. Weltweit haben 2,4 Milliarden Menschen keinen, regelmäßigen Zugang zu einer sanitären Grundversorgung.

Ursprünglich hat sich Goldeimer mit Komposttoiletten auf Festivals einen Namen gemacht. Die von Künstlern gestalteten Toilettenhäuschen bieten eine kreislauforientierte und charmante Alternative, auf Events seinem Geschäft mit Komfort und Wohlbefinden nachzugehen.

Für Goldeimer-Gründer und -Geschäftsführer Malte Schremmer liegt der Markteintritt des neuen Klopapiers auf der Hand: 

„Jeder Mensch geht jeden Tag auf Toilette. Unser Ziel – Sanitärversorgung für alle – nun auch auf einem täglichen Gebrauchsgegenstand zu platzieren, ist eine sehr schöne Möglichkeit, dieses augenscheinliche Tabuthema in die Gesellschaft zu tragen.“

Und VCA-Gründer Benjamin Adrian findet:

„Mit Viva con Agua setzen wir uns für Wasser-, Sanitär und Hygieneprojekte (kurz „WASH“) weltweit ein. Für uns ist Goldeimer Klopapier daher ein logischer Schritt, um auch hier in Deutschland Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass die globale Sanitärsituation nach wie vor stark verbesserungswürdig ist und wir uns nicht zuletzt mit diesem neuen Produkt dafür einsetzen.“

Die wichtigsten Fakten zum Goldeimer Klopapier von Viva con Agua

  • 100% Recyclingpapier
  • 3 Lagen + 8 Rollen + 160 Blatt = 171 Gründe es zu kaufen
  • 20 Cent pro Paket gehen direkt an Goldeimer / Viva con Agua
  • Illustration & Design von REBELZER und DELIKATESSEN
  • Erhältlich bei BUDNI in Hamburg & Umgebung (vorerst)

Wer oder Was sind eigentlich Viva con Agua?

Viva con Agua ist ein internationales Netzwerk von Menschen und Organisationen, das sich für einen menschenwürdigen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung einsetzt. 2005 wurde der gemeinnützige Verein Viva con Agua de Sankt Pauli durch den ehemaligen St. Pauli Fußballspieler Benjamin Adrion ins Leben gerufen. Inzwischen unterstützen die Vision „ALLE FÜR WASSER – WASSER FÜR ALLE“ mehr als 11.000 ehrenamtliche Supporter.

Über Goldeimer

Vor zwei Jahren habe ich für die taz Nord mit Markus Bier, einem der Goldeimer-Gründer, über die Idee gesprochen. Anzüge des Interviews gibt es jetzt auch für euch:

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Startup für Komposttoiletten zu gründen?

Markus Bier: Das Goldeimer-Konzept war ursprünglich die Bachelorarbeit von Mit-Gründer Malte Schremmer. Wir beide engagieren uns schon länger bei der Trinkwasserinitiative Viva Con Agua. Die Themen „Wasser und Hygiene“ waren für uns also präsent. Auf der anderen Seite habe ich mich nach meinem Wirtschaftsgeographie-Studium mit Stadtgärten und Biomasse beschäftigt. Beide Ansätze verfolgen wir bei Goldeimer: Eine hygienische und nachhaltige Toilette und die Erzeugung von fruchtbaren Bodensubstraten aus Fäkalien. Ausschlaggebend für die eigentliche Gründung war der Sieg beim Yooweedoo-Ideenwettbewerb an der Uni Kiel. Mit dem Preisgeld konnten wir zwei Prototypen bauen und loslegen.

Wie funktionieren eure Goldeimer-Klos genau?

Markus Bier: In unseren Trockentoiletten ersetzen ein oder zwei Handvoll Sägespäne die Chemie und das Spülen. Außerdem nutzen wir eine spezielle Mischung aus Mikroorganismen, die auch für die Verwertung von Küchenabfällen genutzt werden kann. Diese Kombination ist geruchsbindend und sehr hygienisch. Unsere Toiletten sind aber nicht nur nachhaltig, sondern auch bequem. Es gibt Kleiderhaken, Spiegel und Lektüren. Die Menschen sollen bei uns eine gute Zeit haben.

Wo stellt ihr eure Klos auf?

Markus Bier: Wir sind auf Festivals und größeren Veranstaltungen unterwegs. Wir wurden schon für private Feiern wie Hochzeiten oder Firmenevents angefragt.

Wie teuer ist ein Besuch bei euch?

Markus Bier: Auf dem Festival sind es zwei Euro pro Sitzung. Es gibt auch günstigere Zehnerkarten.

Wie kommt eure Idee bei den Festivalbesuchern an?

Markus Bier: Zu uns kommen sehr viele Leute und nutzen die Toiletten. Das Feedback ist ziemlich gut. Aus meiner Erfahrung gibt es zwei wichtige Gründe für den Besuch: Unsere Toiletten sind auch am dritten Festivaltag noch sauber und stinken nicht. Außerdem machen sich immer mehr Besucher Gedanken über Nachhaltigkeit und wollen unsere Idee bewusst unterstützen.

Ihr wollt aus den menschlichen Hinterlassenschaften am Ende Humus für den Garten machen. Wie funktioniert das genau?

Markus Bier: Während eines Festivals kommen alle Überbleibsel in Sammelbehälter. Darin beginnt die Gärung. Im nächsten Schritt folgt die Kompostierung und die Umwandlung in nährstoffreiches Bodensubstrat. Im Moment setzen wir dabei noch auf einen Kooperationspartner, der unsere Biomasse kompostiert. Perspektivisch wollen wir das alles selbst machen.

 Ihr wollt auch Aufklärungsarbeit leisten. Wie gut funktioniert das? Immerhin redet niemand gern über das Geschäft, schon gar nicht über das kleine und große?

Markus Bier: Der Gang zum Klo ist ein alltägliches Grundbedürfnis. Trotzdem haben mehr als zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberen sanitären Einrichtungen. Dafür wollen wir ein besseres Bewusstsein schaffen. Wir entwickeln dazu gerade ein eigenes Bildungskonzept. Auch auf den Festivals sprechen wir genau über dieses Thema mit den Menschen. Es ist erstaunlich. Wenn ein gewisses Bedürfnis besteht, kann man gut mit Menschen über Wasserverschwendung und Fäkalien als Ressource sprechen.