Family

Interview mit Kathrin von MOMazing: Warum Eltern Yoga machen sollten

Kathrin ist zweifache Mama, Yoga-Lehrerin für Prä- und Postnatalyoga, Journalistin und Bloggerin. Auf ihrem großartigen Blog MOMazing schreibt sie über Yoga und Meditation für Eltern und die, es erst noch werden wollen. Wir haben mit ihr über Yoga für Mamas, Papas und Mini-Buddhas gesprochen.

 

Warum sollten Eltern Yoga machen?
Kathrin: Yoga ist aus meiner Sicht eine tolle Art, um im Gleichgewicht zu bleiben. Gerade von Eltern wird heute viel verlangt – Job, Kinder, Haushalt, Beziehung, alles soll perfekt sein. Yoga hilft als Auszeit vom Alltag dabei, in sich hinein zu hören und sich mit sich selbst zu verbinden. Yoga lehrt uns außerdem, in stressigen und emotionalen Situationen die Ruhe zu bewahren. Und sind wir mal ehrlich: Kinder sind bei aller Freude manchmal auch eine große Herausforderung. Am zuverlässigsten hilft mir in anstrengenden Augenblicken, ganz bewusst tief ein- und auszuatmen. Dadurch beruhigt sich der Wirbelsturm der Gedanken und Gefühle umgehend.

 

Das sind ja vor allem die „geistigen“ Vorzüge von Yoga. Wie sieht es mit den körperlichen Vorteilen aus?
Kathrin: Yoga hilft Mamas nach der Schwangerschaft und Geburt wieder in ihrem Körper anzukommen. Nach der Ruhe des Wochenbetts unterstützen sanfte Übungen auf der Matte sehr gut die Rückbildung und die Entwicklung eines neuen Körpergefühls. Übrigens gilt das auch für die Schwangerschaft. Pränatal-Yoga bereitet mental und körperlich sehr gut auf den „Marathontag“ der Geburt vor.

 

Wie lässt sich die eigene Yoga-Praxis in den oft stressigen Alltag als Eltern integrieren?
Kathrin: Man muss flexibler und kreativer sein als in der Zeit ohne Kinder. Meine Yoga-Matte steht immer neben dem Bett oder wird nachmittags auch im Kinderzimmer ausgerollt. So teile ich mir die Yoga-Praxis auf und übe nicht anderthalb Stunden am Stück. Zehn Minuten Sonnengrüße am Morgen zum Wachwerden, mittags ein paar Asanas und vor dem Einschlafen noch ein paar Atemübungen. Ich lege gerne einmal am Tag die Beine hoch an die Wand, diese Übung heißt auf Sanskrit Viparita Karani und schenkt gleichermaßen Ruhe und Energie. Das kostet nicht viel Zeit, ist aber sehr effektiv. Generell macht man aber yoga-philosophisch gesehen als Eltern rund um die Uhr Yoga: Bhakti Yoga, was so viel bedeutet wie die liebende Hingabe an etwas, was größer ist, als wir selbst.

 

 

Bis man seine eigene Yoga-Praxis ohne Anleitung entwickelt hat, dauert es ja eine gewisse Zeit. Was hältst du als Yogalehrerin eigentlich von Video-Anleitungen aus dem Netz?
Kathrin: Online-Yoga ist für Eltern mit einer gewissen Übung eine tolle Möglichkeit, um zeitsparend Yoga zu praktizieren. Mit Kind ist man ja längst nicht mehr so flexibel wie früher und schafft es nicht regelmäßig in sein Lieblingsstudio. Aber den Gang ins Studio komplett ersetzen, kann Online-Yoga nicht. Die Praxis mit seinem Lieblingslehrer und das direkte Feedback sind doch etwas ganz anderes.

 

Jetzt haben wir so viele „Werbung“ für Yoga gemacht. Wie starten denn Anfänger am besten in die Yoga-Praxis?
Kathrin: Für Mamas ist Schwangeren-Yoga oder ein Yoga-Rückbildungskurs mit Baby eine schöne Gelegenheit mit Yoga zu beginnen. Man lernt gleich noch andere gleichgesinnte Mamas kennen und kann sich gegenseitig austauschen und motivieren. Frischgebackene Papas können einfach in einen Anfängerkurs oder eine Level-1-Klasse gehen und loslegen. Auch für sie ist das eine Auszeit, die sie verdient haben. Immerhin werden an sie als engagierte Väter, aufmerksame Ehemänner und häufig immer noch als „Ernährer“ der Familie viele Erwartungen gestellt.

 

Du gibst selbst auch ein „Happy Mami & Baby Yoga-Retreat“ in St. Peter-Ording. Warum ist ein Retreat für Mamas wichtig?
Kathrin: Retreat bedeutet Rückzug – diese Auszeit mit Baby hilft dabei, Kraft zu tanken und Energie zu sammeln. Vier Tage lang im Yogahotel „Das Kubatzki“, das ist ein sehr wertvolles Geschenk an sich selbst. Denn so schön das Mamasein ist, so fordernd ist es auch. Mit meiner Yogalehrer-Kollegin Ayse, die dreifache Mama ist, zeige ich, wie man Mini-Buddhas in die eigene Yoga-Praxis integrieren kann und es gibt jeden Tag auch eine Yogastunde, während der die kleinen Co-Yogis betreut werden.

 

 

Wie lassen sich die Mini-Buddhas denn in die eigene Yoga-Praxis integrieren?
Kathrin: So lange das Baby noch nicht mobil ist, empfehle ich, es auf eine weiche Decke neben die eigene Matte zu legen, am besten mit dem Lieblingsspielzeug. Manche Asanas bieten sich auch sehr gut dazu an, das Baby miteinzubeziehen. Das lernt man wiederum am besten in einem Kurs. Wenn der Nachwuchs später anfängt zu krabbeln, ist die Yoga-Mama oder der Yoga-Papa im Vierfüßlerstand oder der Planke natürlich doppelt interessant und ein Super-Klettergerüst. Ein schönes Angebot sind übrigens Familienyoga-Kurse, an denen Eltern und Kinder gemeinsam teilnehmen können.

 

Ab wann können die Kinder selbst Yoga machen?
Kathrin: Richtige Kinderyoga-Kurse richten sich an Kinder ab drei oder vier Jahren. Zuhause lebt – wie generell in der Erziehung – alles vom Vorbild. Mein dreijähriger Sohn macht gerne den Baum, den herabschauenden Hund oder begrüßt mich mit Namaste-Händen, alles ganz spielerisch. Jeden Abend vorm Schlafengehen machen wir eine kleine Dankbarkeits-Meditation und zählen drei Dinge auf, für die wir heute dankbar sind.

 

Über Kathrin:

Kathrin ist zweifache Mama, Journalistin und Yogalehrerin für Prä- und Postnatal Yoga. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Ihren Alltag mit Mini-Menschen, Mann, Macbook und Matte meistert sie mit viel Herz, Humor und Dankbarkeit. Auf ihrem Blog MOMazing schreibt sie über ihr Leben zwischen Kacka und Karma und interviewt inspirierende Yoga-Mamas und Papas.

Im Web: momazing.de

Bildquellen: Momazing, Milena Holler-Lück