Fashion

Interview mit Noel von ekn footwear

Das deutsche Schuhlabel ekn footwear setzt auf minimalistisches Design und eine nachhaltige Produktion in Europa. Mit diesem Konzept will Gründer Noel Klein-Reesink nicht nur überzeugte Ökos erreichen, sondern auch begeisterte Turnschuhträger.

Was waren deine ersten Berührungspunkte mit Sneaker?

Noel: Ich bin in der Skateboard-Metropole Münster aufgewachsen. Als Jugendlicher stand ich vor allem auf dem Brett und war dabei gut genug für einen Sponsor, der mir Schuhe und Kleidung zu Verfügung stellte. Vor allem mit den Sneaker beschäftigten wir uns intensiv. Für die Firmen haben wir sie auf Herz und Nieren getestet und Verbesserungsvorschläge gemacht.

Wann hast du dabei das Thema Nachhaltigkeit für dich entdeckt?

Noel: Ich ging nach dem Abi nach New York, um dort Skateboard zu fahren. Um mein Leben zu finanzieren, habe ich in einem Künstler-Cafe in Williamsburg gejobbt. Dort gab es Fairtrade-Kaffee und selbstgemachten Kuchen. Hier kam ich zum ersten Mal mit dem Organic Movement in Kontakt und empfand ihre Grundhaltung als sehr sinnvoll. Die Lohas in New York waren viel entspannter als die Öko-Bewegung meiner Eltern.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dein eigenes Schuhlabel zu gründen?

Noel: Zurück in Deutschland begann ich Kommunikationswissenschaften zu studieren und jobbte nebenbei für große Sportartikelhersteller. Ich habe als technischer Repräsentant Laufschuhe verkauft und dabei die Turnschuhtechnik von der Pike an gelernt. Ein spannender Job. Aber ich fragte mich schon damals, wie die Schuhe produziert werden. Die Antwort darauf war für mich eher verstörend. Nach dem Studium arbeitete ich eine Zeit lang für hessnatur und organisierte eine Nachhaltigkeitskonferenz. Hierbei habe ich erlebt, wie nachhaltige und faire Produktion aussehen kann. Mit den Eindrücken aus diesen beiden Welten machte ich mich an die Gründung von ekn footwear.

ekn-footwear-bamboo-runner-black-yellow-eco-sneaker-14_1280x1280Wie finden sich die beiden Welten – also konventionelle Sportschuhe und eco-Fashion – in der ekn footwear-Philosophie wieder?

Noel: In Sachen Qualität, Materialien und Produktionsbedingungen war und ist natürlich der Ökopionier hessnatur ein großes Vorbild. Andererseits finde ich mich in Sachen Design eher in der konventionellen Schuhindustrie wieder. Ich will nicht ausschließlich Schuhe für die erste Öko-Generation machen. Unsere Modelle sollen auch Sneakerheads und modebewusste, junge Menschen tragen, die sonst eher zu Adidas oder Nike greifen würden.

Wie sahen deine ersten Schritte auf dem Weg zur eigenen Marke aus?

Noel: Für die erste Musterkollektion konnte ich einen ehemaligen Adidas-Designer gewinnen. Seine Entwürfe waren einfach klasse und kamen bei den Kunden super an. Bei meiner Showroom-Tour haben gleich 15 Läden Schuhe bestellt und damit war die erste Produktion gesichert. Und seit dieser erfolgreichen Start-Saison ging es stetig bergauf.

Wie würdest du das heutige Design-Konzept von ekn footwear beschreiben?

Noel: Der Look unserer Schuhe ist schlicht und clean. Laute und knallige Farben sind eher tabu. Wir setzten lieber auf innovative Details für den zweiten Blick. Das kommt bei den Trägern besser an.

Ekn KudzuWie entstehen eure neuen Schuhentwürfe?

Noel: Wir haben ein breites Sortiment, dass wir immer wieder sinnvoll ergänzen. Zuletzt haben wir zum Beispiel einen sehr schlichten Slipon namens Kudzu rausgebracht. Er hat keine sichtbaren Nähte und wurde aus dickem Sattelleder produziert. Idee dafür stammt von unserem tollen Designer „Mr. Bailey“. Er macht seine ersten Entwürfe und ich bringe meine Vorstellungen ein. So entsteht ein erstes Konzept, dass wir an unsere Produktionspartner in Portugal schicken. Dort wird aus der Zeichnung ein Schuh. Danach beginnt der Feinschliff. Die Ferse soll noch einen Millimeter höher, die Sohle wird noch etwas dicker. Nicht selten haben wir ein Dutzend Anpassungen bis das Produkt endlich perfekt ist.

Was macht ihr anders als die großen Schuhmarken?

Noel: Ich glaube, der wichtigste Unterschied ist die Nachhaltigkeit. Dazu gehören für mich zwei große Bereiche – die Ökologie und das Soziale.

Kannst du etwas über die ökologischen Aspekte von ekn foodwear erzählen?

Noel: Unser nachhaltiger Anspruch beginnt bei den Materialien. Wir nutzen hochwertiges Leder aus Portugal und Spanien, dass wir ganz natürlich und ohne Chemikalien bearbeiten. Das dauert etwas länger, schont aber die Umwelt und die Gesundheit unserer Gerber. Die konventionelle Schuhindustrie nutzt dagegen die Chromgerbung und belastet mit diesem Schwermetall die Natur und die Menschen in den Schwellenländern. Zusätzlich haben wir auch ein veganes, sehr atmungsaktives Material aus PET-Fasern entwickelt. Unsere Sohlen bestehen aus Recycling-Materialien aus der herkömmlichen Sohlenproduktion. Wir produzieren ausschließlich in Europa, vor allem in Portugal und halten so unsere Transportwege kurz.

Wie steht es um die sozialen Standards?

Noel: Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Kooperationspartner ihre Mitarbeiter fair bezahlen und die Arbeitsbedingungen gut sind. Zum Beispiel schauen wir auch auf Sozialprogramme für Mütter oder ältere Mitarbeiter. Wir produzieren außerdem bewusst in Portugal. Die dortige Gesetzgebung ist nicht mit der Situation in Bangladesch zu vergleichen.

Max Herre ist euer Markenbotschafter und hat gerade seinen zweiten Schuh für ekn footwear entworfen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Noel: Ganz einfach, ich habe ihn angeschrieben und wir haben uns getroffen. Aus einem kurzen Gespräch wurden schnell dreieinhalb Stunden. Die Chemie passt sofort und er steht als Künstler für ähnliches wie unsere Marke. Die Zusammenarbeit ist sehr produktiv. Nach den beiden Schuhen kommt bald noch eine gemeinsam entworfene Jacke auf den Markt.

Im Web: www.eknfootwear.com

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Bilder: Copyright PR ekn footwear