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Interview mit Vincent Vegan: Veganes Streetfood für Hamburg

In den Phoenixhöfen, beim St.Pauli Heimspiel oder auf einem Hamburger Wochenmarkt – die silberglänzenden Food-Trucks mit dem gelben „Vincent Vegan“-Logo sind kaum zu übersehen. Mit leckerem und veganem Fastfood hat sich Gründer Christian Kuper einen Namen in der Hansestadt gemacht. Wir haben mit ihm über veganes Streetfood als Türöffner, Stammkunden und Zukunftspläne gesprochen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, veganes Streetfood zu verkaufen?

Christian: Die Idee entstand in einer eher verzweifelten Lebenslage. Ich habe vorher als Unternehmensberater gearbeitet und gelangte in diesem Job an den Rand der Belastungsgrenze. Meine Kündigung war eine Art Notbremse und der dringend nötige Start in ein neues Leben. Ich war damals schon dem pflanzlichen Lebensstil zugetan und wollte meine Leidenschaft fürs Kochen nun auch beruflich ausleben. Dafür war veganes Streetfood, das lecker schmeckt und die Welt vielleicht ein kleines Bisschen besser macht, ein toller Ansatz.

Mit welchem Gericht hat Vincent Vegan angefangen?

Christian: Mit einer veganen Currywurst. Die hat mir als ehemaliger Currywurst-Fan einfach sehr gut geschmeckt. Also habe ich für den ersten rein-pflanzlichen Foodtruck Hamburgs einen Businessplan geschrieben und einen Fahrzeughändler gefunden, der mir einen Truck für sechs Monate lieh. Damit war mein Risiko überschaubar. Auf die Currywurst folgten noch vegane Burger und Fritten und ab ging die Post.

Wie entstehen eigentlich eure Gerichte und Soßen? Gelernter Koch bist du ja nicht.

Christian: Genau. In der Küche bin ich eher Autodidakt, aber probiere leidenschaftlich gern neue Dinge aus. Zum Beispiel habe ich – in Zusammenarbeit mit einigen Freunden – die Soßen für unsere Gerichte selbst entwickelt. Heute werden sie nach unserem Rezept hergestellt. Das war am Anfang sicherlich etwas mutig. Immerhin bin ich davon ausgegangen, dass die Dinge, die mir schmecken, auch den Nerv der Kunden treffen. Zum Glück hat das ganz gut funktioniert. Inzwischen haben wir aber einige gute Leute im Team, die unsere Speisekarte professionell weiterentwickeln. 

Wie nachhaltig ist Vincent Vegan?

Christian: Wir sind in Sachen Nachhaltigkeit auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Zum Beispiel sind noch nicht alle Zutaten bio oder regional, aber wir geben uns große Mühe. So versuchen wir mit kleinen Betrieben aus Hamburg und Umgebung zusammenzuarbeiten. Zum Beispiel werden unsere Brötchen von einer kleinen türkischen Bäckerei in der Sternschanze gebacken. Und als Ausgleich für den CO2-Ausstoß unserer Trucks übernehmen wir Klimapatenschaften und pflanzen Bäume.

Warum bist du eigentlich selbst Veganer geworden?

Christian: Aus ethischen Gründen. Ich komme vom Land. Dort gehört Fleischessen irgendwie dazu. Im Laufe der Zeit habe ich mich immer häufiger gefragt, ob das wirklich sein muss. Irgendwann kam ich zu dem Schluss, dass niemand anderes unter meinem Konsum leiden sollte.

Haben dir Burger und Currywurst am Anfang gefehlt?

Christian: Nein, eigentlich überhaupt nicht. Aber ab und zu hatte ich schon Bock auf etwas Herzhaftes. Zum Glück gibt es dafür ja tolle, vegane Alternativen. Inzwischen habe ich die große Vielfalt der Gemüse-Küche für mich entdeckt. Aber vegane Burger und Currywurst waren für mich schon eine Art Augenöffner, um festzustellen, dass es auch ohne Fleisch geht.

Spürt ihr diesen „Augenöffner-Effekt“ bei euren Kunden?

Christian: Total, letztens kam ein Stammkunde zu uns und hat erzählt, dass er jetzt einen veganen Tag pro Woche einlegt. So geht es vielen. Immerhin sind mindestens 80 Prozent unserer Kunden keine reinen Veganer. Ich glaube, wir haben einfach einen Nerv der Zeit getroffen und darum kommen viele, sehr unterschiedliche Menschen zu uns. Außerdem sind wir auch nie mit dem erhobenen Zeigefinger unterwegs oder appellieren an die Gesundheit. Wir machen einfach veganes und leckeres Fastfood.

Gibt es überhaupt einen typischen „Vincent Vegan“-Kunden?

Christian: Nein, überhaupt nicht. Gerade auf den Wochenmärkten haben wir ein sehr buntes Publikum – von Rentner über hippe Kreative bis zu Bankern im Anzug.

Ich habe einen eurer Foodtrucks gerade auf dem „A Summers Tale“-Festival gesehen. Wie offen ist das Festivalpublikum für eure veganen Burger?

Christian: Die Nachfrage nach hochwertigem Essen ist auch bei Festivals gestiegen. Wir stoßen deshalb mit unseren Kapazitäten schon fast an Grenzen. Immerhin sollte das Essen, nach unserem Empfinden, auf dem Festival nicht nur lecker und gut, sondern auch schnell fertig sein.

Wie steht es um eure kulinarischen Zukunftspläne?

Christian: Wir werden in Zukunft sicher für die ein oder andere Abwechslung auf der Karte sorgen, auch wenn der Foodtruck keine riesige Palette an Produkten zulässt. Zusätzlich wollen wir, sobald eine gewisse Stabilität eingekehrt ist, unseren Ein- und Verkauf aus ökologischen und regionalen Gesichtspunkten optimieren. Das ist keine Floskel und ernst gemeint. Was und wo wir sonst noch für kulinarische Abwechslung sorgen und vor allen in welcher Form – das wird gerade geplant.

Soll es langfristig bei den Foodtrucks bleiben oder gibt es auch Restaurantpläne?

Christian: Wir wollen unser Geschäft definitiv über die Foodtrucks hinaus ausbauen. Wir arbeiten gerade an einigen Konzepten, die zur „Marke“ Vincent Vegan passen. Nur soviel sei verraten: es hat was mit pflanzlichem Essen zu tun.

Im Web: vincent-vegan.com

Bilder: Copyright Vincent Vegan