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Kaffee: Beliebt, aber wenig nachhaltig

Auf unsere morgendliche Tasse Kaffee können und wollen wir nicht verzichten. Der Anbau und die Produktionsbedingungen sind jedoch oft alles andere als nachhaltig.

Anbau: Weltweit gibt es 15.352.000.000 Kaffeebäume auf einer Fläche von 10 Millionen Hektar. Der Anbau ist nicht ohne. Die Pflanzen sind äußerst empfindlich und brauchen genug Sonne und Niederschläge – also feucht-warmes Klima. Am besten wächst Kaffee deshalb rundum den Äquator. Ein Großteil des angebauten Kaffees stammt aus Mittel- und Südamerika. Die führenden Kaffeenationen dieser Erde sind Guatemala, El Salvador, Nicaragua und Kolumbien. In den letzten Jahren hat der Anteil der Einfuhren aus China und Vietnam ordentlich zugelegt. Grund dafür ist der günstige Importpreis.

Kritisch für die Umwelt: Für den Anbau werden vielerorts große Flächen des Regenwaldes gefällt. Außerdem setzen die meisten Bauern hochgiftige Pestizide ein, um ihre Ernten vor Schädlingen zu schützen. Die Gifte beeinträchtigen die Qualität des Grundwassers und damit auch die Biodiversität der Regionen. Auch die Plantagen-Arbeiter sind durch die Pflanzenschutzmittel gefährdet. Grenzwerte gibt es in den Entwicklungsländern genauso wenig wie ausreichende Schutzkleidung. Auch Kinderarbeit ist weit verbreitet.

Verarbeitung: Für eine Tasse sind rund 140 Liter „virtuelles“ Wasser nötig, also für die Bewässerung der Plantagen oder die Trennung der Frucht von der Bohne. Richtig schmutzig wird es bei der Entkoffeinierung. Die meisten Hersteller nutzen dazu Dichlormethan. Dieser Stoff muss nach der Röstung sehr gründlich ausgespült werden, außerdem steht er im Verdacht, krebserregend zu sein.

Handel: Rund 25 Millionen Menschen leben von dem weltweiten Kaffeekonsum. Fast 70 Prozent des angebauten Kaffees wird exportiert. Nach Deutschland wurden 2012 1.138.000 Tonnen Rohkaffee importiert, weltweit waren es ungefähr 5,9 Millionen Tonnen. Gehandelt wird der Kaffee als Termingeschäft an den Börsen in New York und London. Dieses Handelsmodell steht seit Jahren in der Kritik. Der Preis ist nämlich nicht nur von den Ernten abhängig, sondern auch vom Kaufverhalten der Spekulanten.

Der Kaffeepreis setzt sich zusammen aus: 45 Prozent Steuern, Fracht und Zölle, 41 Prozent der Anteil der Händler und nur 14 Prozent bekommen die Plantagenbesitzer und ihre Arbeiter.

Die Arbeiter auf den Kaffeeplantagen verdienen oft nur sehr wenig. Daran hat auch die Einführung von Siegeln wie „Fairtrade“ nur wenig geändert. Weltweit sind gerade einmal 550 Bauern als faire Betriebe zertifiziert.

Konsum: Kaffee ist noch vor Wasser und Bier das beliebteste Getränk der Deutschen. Unglaubliche 73.000.000.000 Tassen Kaffee werden in Deutschland pro Jahr getrunken, das sind 2315 pro Sekunde. Jeder von uns trinkt damit im Durchschnitt 150 Liter jährlich. Der Anteil von Kaffee aus biologischem Anbau ist dabei mit drei Prozent fast genauso gering wie der fair gehandelte Anteil mit etwas mehr als zwei Prozent. Ein besonders stark wachsender Markt sind Pad- und Kapselsysteme. 2012 legte die Zubereitung mit Kapseln um 16 Prozent zu. Gerade die Kapseln stehen jedoch stark in der Kritik. Sie bestehen aus Aluminium, d.h. ihre Herstellung ist energieintensiv und der Recycling-Kreislauf ist noch mangelhaft, vor allem weil viele Kapseln im Hausmüll landen und nicht im Plastikmüll.