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Kancha: Nachhaltiges Design für digitale Nomaden

Das Design-Label Kancha produziert nachhaltige Lifestyle-Accessoires für urbane Nomaden. Hergestellt werden die minimalistischen Rucksäcke, Tech-Hüllen und Geldbörsen in Kirgisistan. Grund für diese Ortswahl ist ausgerechnet die Liebe, wie uns Designer Jonas Görtz im Interview erzählte.

 

Kannst du uns die Philosophie von Kancha einmal kurz vorstellen?

Jonas Görtz: Wir stellen nachhaltige und fair produzierte Produkte für digitale Nomaden her. Wir haben Hüllen für Smartphones und Laptops, Portemonnaies und Kamera-Kurte. Außerdem gibt es seit kurzem noch einen Rucksack im Sortiment. Unsere Produkte werden in Kirgisistan hergestellt und zwar mit natürlichen Materialien, die schon die Nomaden der Region vor vielen hundert Jahren verwendeten. Das passt ganz gut zu unseren Kunden, die wir als moderne Nomaden verstehen.

 

Welchen Anspruch in Sachen Nachhaltigkeit habt ihr?

Jonas Görtz: Wir wollen keine Dinge produzieren, die noch 100 Jahre nach unserem Tod die Umwelt belasten. Darum verwenden wir ausschließlich natürliche Materialien wie Leder oder Filz und nur sehr wenige Metalle oder gar Plastik. Der nachhaltige Anspruch bezieht sich natürlich auch auf alle anderen Teile der Produktion – sei die faire Bezahlung der Mitarbeiter in Kirgisistan oder kurze Transportwege. Wir haben zum Beispiel einen Health Fond für unsere Produzenten eingeführt.

 

Wie seid ihr auf die Idee kommen, ausgerechnet in Kirgisistan zu produzieren?

Jonas Görtz: Wir sind keine Marke, die aus einem Produkt entstanden ist, sondern aus einer ungewöhnlichen (Liebes-)Geschichte. Tobias Gerhard, einer der Mitgründer, hat sich in Budapest in Maja verliebt. Sie ist Kirgisin. Nach einigen Jahren Fernbeziehung hat sich Tobias Gerhard ein Herz genommen und ist auch nach Kirgisistan gezogen. Vor Ort bekam er Lust ein nachhaltiges Projekt aufzubauen. Gemeinsam mit dem anderen Gründer Sebastian Gluschak und mir hat er in Deutschland die Kancha-Produkte entwickelt. Sein kirgisischer Schwager Oskar Kim half danach, die passenden Produzenten vor Ort zu finden.

 

Was macht den Produktionsstandort Kirgisistan aus?

Jonas Görtz: Das Land ist sehr nomadisch geprägt. Die Mentalität spürt man bis heute. Die Menschen sind sehr gastfreundlich und offen. Kirgistan ist außerdem die einzige Demokratie in diesem Teil von Zentralasien. Das erleichtert natürlich unsere Arbeit enorm. Andererseits sprechen viele Handwerker kaum Englisch und ich verstehe kein Russisch. Das macht für mich als Designer die Kommunikation bei der Produktentwicklung manchmal etwas schwierig. Beim Austausch geht schon mal etwas schief. Aber wir verbessern uns laufend.

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Ihr habt gerade einen neuen Rucksack auf den Markt gebracht. Wie entstand die Idee dazu?

Jonas Görtz: Wir haben mit Laptop- und Smartphone-Hüllen angefangen und erweitern unsere Produktpalette laufend. Bisher haben wir vor allem Gadgets-Produkte gemacht. Langfristig wollen wir universellere Produkte entwickeln. Das klingt jetzt sehr strategisch, aber diese Gedanken sind für mich als Designer sehr wichtig. Ich möchte Dinge entwerfen, die nicht nur nachhaltig sind, sondern auch gerne auf der Straße getragen werden. Dafür ist einfach ein zeitloses, gut durchdachtes Design ungemein wichtig. Unser neuer Rucksack ist zum Beispiel sehr schlicht und dezent. Er ist aber auch sehr kompakt und die wichtigsten Dinge wie ein Laptop passen rein. Von den Kunden wurde diese Idee sehr gut angenommen. Deshalb sollen weitere Rucksäcke entstehen.

 

Gibt es einen typischen Kancha-Kunden?

Jonas Görtz: Das kann man eigentlich nicht sagen. Die Mischung ist sehr bunt. Es gibt digitale Nomaden und hippe Agenturmenschen, die unsere Geschichte und Produkte mögen. Es gibt Menschen, die vor allem Wert auf Nachhaltigkeit und bewussten Konsum legen. Und wir haben sogar Seniorinnen, die einfach die Stickereien auf den Smartphone-Taschen mögen. Diese Vielfalt schätzen wir sehr und versuchen eng mit den Kunden im Kontakt zu bleiben. Ihr Feedback ist einfach sehr wichtig für die Weiterentwicklung der Produkte.

 

Wo kann man die Produkte von Kancha kaufen?

Jonas Görtz: Wir verkaufen unsere Produkte über unseren eigenen Onlineshop. Außerdem kann man die Kancha-Laptop- und Smartphone-Taschen auch bei größeren Ketten wie Gravis oder Cyberport kaufen. Damit erreichen wir noch mehr Kunden, die sich vielleicht sonst nicht so viele Gedanken um Nachhaltigkeit machen und denen wir mit unseren Produkten vielleicht einen kleinen Denkanstoß geben können.

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Im Web: kancha.de

Bilder: Copyright: (c) Kancha