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Musiktipp: Deine Freunde und keine Märchen

Die Hamburger Band „Deine Freunde“ macht ziemlich coole Lieder für Kinder und Eltern. Sie setzen dabei nicht auf pädagogisches Gitarren-Geklimper und Blockflöten, sondern auf eingängigen Hip-Hop und ungewöhnliche Themen. Ihr viertes Studioalbum heißt „Keine Märchen“.

Deine Freunde sind nicht weniger als die coolste Kinderband der Welt. Seit ihrer Gründung 2012 begeistern die drei Hamburger ihre Fans mit bunten Bühnenshows, wummernden Bässen, knallharten Popmelodien und Texten auf Augenhöhe. Darauf setzen sie auch bei ihrem vierten Studioalbum „Keine Märchen“. Der Song Nix Passiert etwa erinnert an Depeche Mode, Ohne mein Brudi ist pure Straße jenseits von Stützrädern und Autoteppich und Meckern eine Ode an alle Schulhof-Schnacker.  Keine Märchen rechnet mit der grimmschen Brutalität ab und Mein lieber Freund  entlarvt einen der lahmsten Elternsprüche überhaupt: „Ich zähl bis Drei! Eins, zwei, zweieinhalb, zweidreiviertel…“

Die aktuelle Single heißt „Du bist aber groß geworden“

Die beste Nachricht für Eltern: Im Gegensatz zu den Songs von Simone Sommerland oder Rolf Zuckowski ist diese Musik auch für erwachsene Ohren geeignet. Das liegt wohl auch an ihren musikalischen Wurzeln. Der Ex-Schlagzeuger von „Echt“ Florian Sump rappt, der DJ von „Fettes Brot“ Markus Pauli kümmert sich um die Beats und Lukas Nimscheck um den Gesang. Außerdem gehört das muskalische Herz für Eltern zum Konzept, wie mir Rapper Florian Sump im Interview verriet „Wir schreiben Lieder über Themen, die uns bewegen und machen Musik, die wir und andere Erwachsene auch gerne hören“, erklärt er. Ein cleverer Ansatz: Immerhin machen die Eltern die Hälfte der Hörerschaft aus. Sie kaufen die CDs und die Konzerttickets.

Coole Kindermusik gehört auch in echte Clubs 

Auch bei den Live-Auftritten der Jungs kommen Eltern übrigens ihre Kosten. Statt in der Schulaula oder dem Familienfest vor dem Supermarkt treten Deine Freunde in echten Konzerthallen auf – Bühnenstaub, Neonlicht und Clubgeruch inklusiv. Ein Gewinn für alle: Die Kinder dürfen an sonst verbotene Orte. Wir Eltern können angesichts von Clubatmosphäre und Bier in Plastikbechern in Erinnerungen an kinderlose Tage schwelgen. Am Ende sind alle glücklich. Natürlich werden nicht alle Traditionen eingerissen. „Unsere Konzerte sind familienfreundlich am Nachmittag“, sagt Sump. Als zweifachen Familienvater kommt ihm das inzwischen sehr gelegen. Statt tief in der Nacht, ist er nach dem Auftritt schon um 18 Uhr zuhause – pünktlich für Abendbrot und die Sendung mit der Maus.

Fotocredit: Marco Sensche/DeineFreunde