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my Boo – Fahrräder aus Bambus

Bambus ist ein tolles und nachhaltiges Material. Auch für Fahrräder, wie die beiden Kieler Gründer Jonas Stolzke und Maximilian Schay mit ihrem Startup „My Boo“ beweisen.

Ein Fahrrad aus Bambus? Das klingt erstmal ziemlich exotisch und ungewöhnlich. Dabei ist die Idee ziemlich naheliegend. Bambus ist nämlich einer der am schnellsten nachwachsenden Rohstoffe überhaupt. Außerdem bindet das Gras extrem viel CO2. Durch die einzelnen Kammern im Bambusrohr ist er sehr stabil und trotzdem durch den hohlen Innenraum sehr leicht. Die Oberfläche des Bambus ist sehr hart, wodurch er besonders widerstandsfähig gegen Beschädigungen wird. Kurzum: Ideal für den Fahrradbau. Das dachte man sich übrigens schon im 19. Jahrhundert und entwickelte erste Prototypen für reiche Adelige. Richtig durchgesetzt haben sich Bambusräder nie.  Trotz aller Vorzüge sieht man selbst in hippen Großstädten wie Hamburg oder Berlin nur selten ein Bambusrad.

Fixe Idee führt zur Gründung von my Boo

Genau das wollen die Kieler Jonas Stolzke und Maximilian Schay mit ihrem Startup „My Boo“ ändern. Vor knapp drei Jahren haben sie in Kiel eine kleine Manufaktur für Fahrräder aus Bambus gegründet. Die Idee, den leichten und äußerst stabilen Rohstoff als Material für Fahrradrahmen zu nutzen, kommt aus Afrika. Ein Freund, der sein Freiwilliges Soziales Jahr in Ghana absolvierte, erzählte ihnen von den ungewöhnlichen Gefährten. „Das klang so verrückt, dass wir uns einfach genauer informieren mussten“, erinnert sich Maximilian Schay. Im Internet stießen die Gründer zwar auf begeisterte Fans, die vom Fahrgefühl und Design der Bamboo-Bikes schwärmten, aber auf so gut wie keine Händler.

Im Laufe der nächsten Zeit wurde so aus der wachsenden Faszination die fixe Idee mitten im Studium ein eigenes Unternehmen zu gründen. Inzwischen haben beide Kieler ihr Bachelor-Studium abgeschlossen und die kleine Firma erfreut sich wachsender Beliebheit. Die Kunden kommen aus ganz Europa und in über 60 Läden in Deutschland kann man die hochwertigen und ziemlich nachhaltigen Räder kaufen.

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my Boo setzt auf Nachhaltigkeit

Die my Boo Räder werden gemeinsam mit einem sozialen Projekt in Ghana gefertigt. Bambus gibt es in dem afrikanischen Land mehr als genug. Vor Ort bauen 15 junge Menschen die Rahmen zusammen. 90 Stunden Handarbeit steckt in jedem Rahmen, übrigens allesamt Unikate. Die letzten Handgriffe hinzu einem hochwertigen Bambusfahrrad für den Alltagsgebrauch finden dann in der eigenen Manufaktur in Kiel statt. Die meisten Einzelteile werden in Deutschland produziert. Kleinere Metallkomponenten für die Aufnahme fertigt zum Beispiel eine Behindertenwerkstatt.

My Boo legt nicht nur viel Wert auf eine nachhaltige Produktion, sondern engagiert sich auch sozial. Alle Mitarbeiter in Ghana werden nicht nur fair bezahlt, sondern sind auch kranken- und sozialversichert. Regelmäßig sind die Gründer vor Ort, schauen dort nach den Arbeitsbedingungen und arbeiten an der Weiterentwicklung ihres Produktes. Außerdem finanzieren die Gewinne des Startups soziale Projekte wie Schulstipendien für Kinder, Mikrokredite für junge Frauen oder Bibliotheken in den ländlichen Regionen Ghanas. Zusätzlich unterstützt jeder Käufer eines „my Boo“ Rades ein Jahr lang ein Patenkind vor Ort – über die Verlängerung der Unterstützung darf man natürlich frei entscheiden.

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Der hohe Qualitätsanspruch und ein gutes Gewissen haben allerdings auch ihren Preis: Zwischen 1.500 und 2.000 Euro kostet ein Bambusrad von my Boo. „Unsere Zielgruppe sind eher Fahrrad-Liebhaber, die bereit sind für Qualität und Nachhaltigkeit in die Tasche tiefer in die Tasche zu greifen“, sagt Stolzke. Der Erfolg gibt ihrem Konzept recht. Inzwischen gibt es die Räder bundesweit in 60 Läden zu kaufen und gerade wurde das erste Bambusrad mit Elektroantrieb vorgestellt.

Im Web: my-boo.de

Bilder: Copyright: My Boo