Fashion, Living

Outdoormarken und Nachhaltigkeit: Das Bewusstsein wächst

Wer auch bei kaltem und nassem Wetter die Natur erleben will, braucht gute Funktionskleidung. Das Angebot dafür ist ziemlich groß. Schon deutlich komplizierter ist allerdings die Suche nach nachhaltiger Outdoor-Kleidung, die die Umwelt nicht belastet und fair produziert wurde.

Auch wenn sich Outdoor-Marken gerne naturverbunden geben, ist das nachhaltige Image der Branche keinesfalls fleckenlos.

Die Liste der Kritikpunkte ist lang:

  • Ähnlich wie in der Modebranche werden auch bei der Herstellung von Outdoor-Kleidung immer wieder die schlechten Arbeitsbedingungen in Billig-Lohnländern kritisiert. Die Löhne grenzen an Sklaverei, die Arbeitsbedingungen katastrophal und selbst Kinderarbeit kann nicht ausgeschlossen werden
  • Um die Kleidung und Schuhe wetterfest zu machen, werden unter anderem Per- und polyfluorierte Chemikalien (kurz: PFC) genutzt. Die Stoffe stehen unter dem Verdacht krebserregend zu sein und belasten die Natur auf der ganzen Welt. Außerdem sind sie kaum abbaubar.
  • Die Produktion von Daunen für warme Jacken ist mit viel Tierleid verbunden. Sie stammen nicht selten aus Lebendrupf und von Tieren, die zur Produktion von Stopfleber gemästet wurden.

Zum Glück setzen immer mehr Outdoor-Hersteller auf Nachhaltigkeit und haben ihre Produktion umgestellt. Das Ziel: Die Produkte müssen langlebig und qualitativ hochwertig sein, warm und trocken halten, dazu noch ökologisch, mit wenig Ressourcenverbrauch und fair produziert sein. Die Ansätze dabei sind ganz unterschiedlich.

Beispiele für das Engagement:

Hersteller wie Fjällräven oder Rotauf verzichten ganz auf den Einsatz von PFC in der Wetterkleidung, andere wie Vaude oder Haglöfs wenigstens teilweise. Beim Färben von Stoffen kommen neue Verfahren wie die DryDye-Technologie zum Einsatz. Dieser Färbeprozess kommt ohne Wasser und deutlich weniger Chemikalien aus. Auch Naturmaterialien rücken wieder stärker in den Fokus der Branche. Neben Bio-Baumwolle wird immer mehr Merino-Wolle genutzt. Die Naturfasern sind sehr atmungsaktiv, lassen sich ausgezeichnet waschen und neutralisieren Schweißgerüche.

Auch Recycling rückt stärker ins Bewusstsein. Outdoor-Jacken von Herstellern wie Bleed, Patagonia, Vaude oder Häglofs enthalten recycelte Materialien – entweder Reste aus der eigenen Produktion oder PET-Flaschen oder anderen Plastikmüll. Hersteller wie Pyua aus Kiel oder der US-Konzern Patagonia haben zu diese Zweck sogar ein eigenes Rücknahme-System entwickelt. Alte Outdoor-Kleidung wird nach dem Gebrauch zurückgenommen und wieder zu neuen Produkten verarbeitet. Patagonia hat zusätzlich auch einen kostenlosen Reperaturservice eingerichtet, Vaude bietet einen Second-Use-Shop für gebrauchtes Equipment.

Ein wichtiger Schritt ist auch die Zertifizierung mit Nachhaltigkeitssiegeln wie Bluesign oder Fair Wear Foundation. Diese Organisationen leisten einen wichtigen Beitrag zur Einhaltung hoher Umweltstandards und Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der globalen Textilindustrie.

Neben zahlreichen tollen kleinen Marken kümmern sich auch diese drei großen Outdoor-Hersteller aus unserem Kleiderschrank um Nachhaltigkeit.  

Haglöfs: Die schwedische Outdoor-Marke hat eine mehr als 100 jährige Tradition. Inzwischen setzt Haglöfs verstärkt auf eine nachhaltige Produktion ihrer Waren. Dafür wurde zum Beispiel ein firmeninternes „Take-Care-Label“ geschaffen. Produkte mit diesem Siegel werden aus recyceltem Materialien oder aus zertifizierter Bio-Baumwolle hergestellt. Auch auf Daunen verzichtet der Hersteller zunehmend. Stattdessen wird auf recycelte Kunststoffe gesetzt, auch aus Gründen des Tierschutzes. Zusätzlich wurden die Schadstoffe während der Produktion deutlich reduziert und viele Produkte mit dem bluesign-Siegel zertifiziert. Dieser Standard gilt als weltweit strengster für Umweltschutz, Arbeitssicherheit und Verbraucherschutz. Beurteilt werden dabei nicht nur das Endprodukt, sondern der gesamte Herstellungsprozess. Außerdem ist Haglöfs inzwischen Mitglied der Fair Wear Foundation, die sich für bessere Arbeitbedingungen in der globalen Textilindustrie einsetzt.

Vaude: Der deutsche Outdoor-Ausrüster Vaude ist sicher einer der Pioniere in Sachen Nachhaltigkeit. Das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg setzt mit seinem Green Shape Label vor allem auf Biobaumwolle, recycelte Materialien und die Holzfaser Tencel. Außerdem lässt Vaude den gesamten Produktionsprozess zertifizieren – nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Produktionsstätten in Vietnam oder China. Die Zuliefer werden zum Beispiel für die Reduzierung von Ressourcen und Chemikalien regelmäßig geschult. Vaude ist Mitglied der Fair Wear Foundation und setzt sich für faire Arbeitsbedingungen und gegen Kinderarbeit ein. Nachhaltigkeit spielt auch am Firmensitz in Tettnang eine große Rolle. Hier gibt eine betriebseigene Kita, E-Bikes für die Mitarbeiter und alle Gebäude sind energieeffizient und klimaneutral. Für das Engagement wurde Vaude bereits mit zahlreichen Preisen, wie dem B.A.U.M.-Umweltpreis und dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

Patagonia: In den USA gilt der Outdoor-Ausrüster Patagonia als wichtiger Vorreiter in Sachen Recycling. Die besondere Idee der Marke: Seit knapp zehn Jahren können Kunden ihre nicht mehr benutzte Kleidung im Laden zurückgeben oder einschicken. Aus den alten Jacken und Hosen werden dann neue Produkte gemacht. 2011 rief die Marke sogar mit einer ganzseitigen Anzeige dazu auf, keine ihrer Jacken zu kaufen. Die Öko-Botschaft: Outdoor-Kleidung lässt sich reparieren, recyceln oder einfach sehr lange tragen. Trotz dieser Anti-Konsum-Botschaft wächst die Marke stetig.

Sicher sind die Ansätze längst nicht perfekt und es geht noch mehr. Die Branche muss auch weiter bei Sozialstandards und nachhaltigen Produktionsmöglichkeiten mehr Verantwortung übernehmen. Aber die Tendenz macht Hoffnung auf mehr Outdoor-Kleidung und Ausrüstung, die den Nachhaltigkeitsansprüchen echter Naturliebhaber gerecht wird. 

Bildquellen: Fotolia/ Netzer Johannes, PR Haglöfs