Food, Living

Oxfam-Kampagne: Fit für Fair!?

Auf Instagram sind wir auf die wirklich tolle Oxfam-Kampagne „Fit für Fair!?“ gestoßen. Die Hilfsorganisation will dabei auf menschenunwürdige Bedingungen im lateinamerikanischen Obstanbau aufmerksam machen. Auch Aldi, Edeka, Lidl und Rewe beziehen Bananen und Ananas von Plantagen, auf denen massiv gegen die Menschenrechte verstoßen wird.

Ob auf dem Splash oder dem Melt – auf vielen deutschen Festivals sieht man derzeit die farbenfrohen Stände der Entwicklungsorganisation „Oxfam“ mit dem Slogan: „Fit für Fair!?“„.  Was dahinter steckt, haben wir uns gefragt und einmal genauer recherchiert.

Oxfam hat im Mai einen Bericht namens „Süße Früchte, bittere Wahrheit“ veröffentlicht. Darin wird der menschenunwürdige Anbau von Bananen in Ecuador und Ananas in Costa Rica kritisiert. Zum Beispiel sind die Arbeiter ohne richtige Schutzkleidung hochgiftigen Pestiziden ausgesetzt – darunter auch Oxamyl, das von der Weltgesundheitsorganisation WHO als extrem gefährlich eingestuft wird. Mögliche Folge sind Behinderungen, Fehlgeburten und Krebsleiden. Die Arbeiter leiden laut Oxfam außerdem regelmäßig an Schwindel, Übelkeit und Hautallergien.

„Die Supermärkte kontrollieren das Aussehen der importierten Früchte penibel und geben ganze Lieferungen bei kleinsten Makeln zurück. Aber sie lassen es zu, dass die Menschen, die sie ernten, dabei vergiftet werden“, sagt Franziska Humbert, Studienautorin und Referentin für Arbeitsrechte bei Oxfam Deutschland.

Auch zu den Rechten der Arbeiter steht in dem Bericht nicht viel Gutes. Mindestlöhne werden ignoriert, Überstunden bleiben unbezahlt und Gewerkschaften unterdrückt. „Die deutschen Supermärkte dürfen ihre Profite nicht weiter auf Kosten von Mensch und Natur machen. Sie müssen endlich menschenwürdige Arbeitsbedingungen durchsetzen und faire Preise zahlen“, sagt Humbert weiter.

Fit für den Fair!?

Gleichzeitig bewerben viele deutsche Supermärkte ihre Ananas und Bananen mit Nachhaltigkeitssiegeln – zum Beipiel von der Umweltorganisation Rainforest Alliance. Ihr Nachhaltigkeitssiegel gilt eigentlich als besonders aussagekräftig und einflussreich. Allerdings schnitten die Rainforest-zertifizierten Plantagen bei den Oxfam-Stichproben nicht besser ab als konventionelle Betriebe.

Deshalb fordert Oxam nun in seiner Kampagne „Fit für Fair!?“ ein Umdenken bei Händlern und Verbrauchern. Unterstützung dafür gibt es von 19 weiteren NGOs. Auf der deutschen Kampagnen-Seite kann man zum Beispiel Lidl per Mail direkt zum Ändern seiner Obstpolitik auffordern.

Die Forderungen: 

• Stelle sicher, dass Plantagenarbeiterinnen und Kleinbauern ein Einkommen haben, von dem sie sich und ihre Familien versorgen können.
• Garantiere, dass die Gesundheit von Arbeiter/innen geschützt wird, besonders vor giftigen Pestiziden.
• Gewährleiste, dass sich Plantagenarbeiter/innen in Gewerkschaften organisieren können.
• Zahle Deinen Lieferanten faire Preise.

Über Bananen und Ananas

Der Handel mit Bananen und Ananas ist ein Milliardengeschäft. Allein im Jahr 2015 importierte Deutschland 1,35 Millionen Tonnen Bananen im Wert von 844,6 Millionen Euro sowie 129.664 Tonnen Ananas im Wert von 115,1 Millionen Euro. Trotz steigender Produktionskosten ist der Verkaufspreis von Bananen und Ananas in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gefallen. Ein Kilo Bananen, für das man 2003 in Deutschland noch durchschnittlich 1,47 Euro ausgeben musste, kostete 2014 inflationsbereinigt nur noch 1,24 Euro. Der Kilopreis für Ananas ist im gleichen Zeitraum von 1,94 Euro auf 1,33 Euro gefallen.

Bilder-Copyright: Mirjam Haegele für Oxfam Deutschland