Beauty, Living

Palmöl: Es geht nicht mit, aber auch nicht ohne

Palmöl ist überall – im Essen, in der Kosmetik und im Waschmittel. Die wachsende Nachfrage hat schlimme Folgen für die Umwelt. Regenwälder werden abgeholzt, bedrohte Tierarten verlieren ihre Lebensgrundlage. Doch komplett auf das Pflanzenöl zu verzichten, wäre keine gute Alternative.

Fast jedes zweite Produkt im Supermarkt oder der Drogerie enthält Palmöl – von Waschmittel über Schokoriegel und Kosmetik bis zur Margarine. Die Omnipräsenz des Pflanzenöls verwundert kaum, immerhin ist das Öl aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme ein Alleskönner. Bei Zimmertemperatur bleibt es fest und ist damit eine ideale Basis für Cremes. Außerdem lassen sich aus dem Öl gute Emulgatoren oder Feuchthaltemittel herstellen.

Doch es gibt einen entscheidenden Nachteil: Für den wachsenden Bedarf an Palmöl werden in Ländern wie Indonesien oder Malaysia massiv Urwälder gerodet und Ureinwohner vertrieben. Die neuen Monokulturen aus Ölpalmen vernichten den Lebensraum von bedrohten Tieren wie Orang-Utans, Elefanten oder Nashörner. Durch die Trockenlegung und Brandrodung werden massiv Treibhausgase in die Atmosphäre geschleudert. Ein Lichtblick: Dank eines steigenden Bewusstseins für die Folgen erfreut sich inzwischen das Verkaufssiegel „palmölfrei“ wachsender Beliebtheit.

Communities practise slash and burn clearing for agriculture on the timber concession. In 2011 PT Ratah Timber, East Kalimantan, Borneo, plans to convert 8000 Ha of degraded land into rubber plantation for use by neighbouring communities in exchange for their commitment to cease encroaching on concession land for agriculture

Kein Palmöl wäre auch keine Lösung

Doch ein kompletter Verzicht ist gar nicht der beste Weg, wie eine aktuelle Studie der Umweltschutzorganisation WWF zeigt. Palmöl durch andere Pflanzenöle zu ersetzen, könnte sogar zu einer höheren Umweltbelastung führen, teilt der WWF mit. Grund dafür: Palmöl lässt sich ertragreich und günstig anbauen und sehr vielseitig einsetzen. Um die jährlich produzierten 47 Millionen Tonnen Palmöl adäquat durch Öl aus Kokos, Raps oder Sonnenblumen zu ersetzen, bräuchte es deutlich mehr Anbaufläche. Auch der CO2-Ausstoß, Wasser- und Energieverbrauch wäre deutlich größer, von der größeren Konkurrenz zum Anbau von Lebensmitteln ganz zu schweigen.

Der WWF fordert deshalb den Konsum von Pflanzenöl insgesamt drastisch zu reduzieren und die Anbaubedingungen zu verbessern. Auch ließe sich die Hälfte des deutschen Palmölbedarfs durch veränderten Konsum einsparen. Dafür müsste jedoch die Nachfrage nach Schokolade, Eiscremes, Fertiggerichten, Süß- oder Knabberwaren sowie Fleisch halbiert werden. Zudem dürfe kein Palmöl mehr in Biokraftstoffen Verwendung finden. Über die Nachfragereduzierung hinaus müsse die Industrie zukünftig auf Ware zurückgreifen, die strenge ökologische und soziale Kriterien erfülle – dabei sei es egal, ob die Pflanzenöle aus heimischem Anbau oder aus Übersee stammten.

Bio-Palmöl ist ein Nischenprodukt

Wie das geht, zeigen zwei Unternehmen aus Südamerika – Daabon in Kolumbien und Agropalma in Brasilien. Beide produzieren bereits seit den 90er Jahren Palmöl nach hohen ökologischen Standards. Sie verzichten zum Beispiel auf Pestizide, Kunstdünger und Brandrodungen im Urwald. Außerdem werden die Bauern fair bezahlt und in den Tierschutz investiert. Inzwischen gibt es ähnliche Ansätze auch in Ghana und Ecuador. Auch hier werden Kleinbauern bei einer nachhaltigen Anbauweise unterstützt.

Außerdem wurde ein „Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (RSPO) gegründet. Das ist eine Vereinigung von Industrie- und Handelsunternehmen, die Standards für nachhaltiges Palmöl entwickelt haben. Allerdings gelten die Kriterien und Kontrollen als eher lasch und werden deshalb von Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace stark kritisiert. Aber immerhin ist das ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Denn das komplett nachhaltig produzierte Palmöl ist deutlich teurer als die konventionelle oder RSPO-Alternative. Die Folge: Derzeit hat das Bio-Palmöl einen Markanteil von unter einem Prozent.

Fünf Tipps für weniger Palmöl im Alltag:

Mit wenig verarbeiteten und saisonalen Produkte kochen

Unser erster Tipp überrascht kaum. Regionale, saisonale und wenig verarbeitete Produkte sind die beste Wahl bei der Vermeidung von Palmöl. Immerhin entsteht knapp 20 Prozent des deutschen Gesamtbedarfs an Palmöl durch stark verarbeitete Lebensmittel wie Pizzen, Fertiggerichten oder auch Dingen wie Knabberkram. Wer selbst kocht und regionale Produkte nutzt, hat die Chance die Zutaten selbst zu wählen und kann auf heimische Öle setzen.

Faire Bioschokolade kaufen

Die meiste, konventionelle Schokolade enthält Palmöl, gleiches gilt auch für Schokocremes wie Nutella und Co. Die Alternative: Fair gehandelte Schokolade von GEPA und Co ist oft palmölfrei und bio-zertifiziert. Gleiches gilt auch für Bioschokolade von Allos, Rapunzel, Rosengarten, Alnatura und Barnhouse. Darin wird der vor allem Bio-Palmöl verwendet.

Naturkosmetik verwenden

In Naturkosmetik-Produkten ist der Anteil von Palmöl deutlich geringer. Die Hersteller setzen häufig auf Ölalternativen wie Kokos oder Raps oder verwenden gleich zertifizierte Bio-Palmöle. Allerdings sind die Cremes damit deutlich teurer als viele konventionelle Pflegeprodukte.

Müsli aus Biomarkt essen

Auch das tägliche, am liebsten knusprige Müsli enthält viel Fett – nicht selten von der Ölpalme. Inzwischen sind zwar selbst Dr. Oetker und andere konventionelle Hersteller Mitglied beim Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl. Aber trotzdem wird ein großer Teil des verwendeten Palmöls eher fragwürdig produziert. Die bessere Alternative sind die Produkte von Biomarken wie Alnatura oder Barnhouse. Für dieses Müsli wird entweder Bio-zertifiziertes Öl verwendet oder auf Alternativen wie Sonnenblumenöl zurückgegriffen.

Weniger Fleisch aus konventioneller Tierhaltung kaufen

Daran denkt man nicht sofort, aber Fleisch aus konventioneller Tierhaltung enthalt auch Palmöl. Immerhin acht Prozent des nach Deutschland importierten Palmöls werden für industrielles Futtermittel genutzt.

Fotos: (c) Ellen Ebenau fotolia, Simon Rawles für den WWF