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Warum wir Leitungswasser trinken

Leitungswasser kostet kaum etwas, ist immer verfügbar und schmeckt genauso gut – trotzdem greifen viele Menschen lieber zum Mineralwasser, auch aus Angst vor Keimen oder Schadstoffen. Doch was ist eigentlich besser?

Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel, etwa ein bis drei Liter trinken wir pro Tag direkt aus dem Hahn oder aus dem Supermarktregal. Hier werben mehr als 500 Mineralwassersorten um unsere Aufmerksamkeit, reich an Mineralien oder direkt aus dem Gebirgsfluss. Doch was ist eigentlich besser? Das Wasser aus der Flasche oder das Leitungswasser?

Leitungswasser besteht zum größten Teil aus reinem Grundwasser, dazu kommt ein kleinerer Anteil von Oberflächenwasser aus Seen und Flüssen. Von den regionalen Wasserwerken wird das Wasser aufbereitet und ins Versorgungsnetz gebracht. Die Qualität des Trinkwassers ist seit 2001 festgeschrieben – unter zwar durch klare Grenzwerte für Metalle, Nitrate oder Bakterien. Um die Qualität zu sichern, setzen die Wasserwerke verschiedene Filterstufen ein und kontrollieren fast täglich das Leitungswasser. Das Ergebnis:  Bei Qualitätskontrollen zwischen 2011 und 2013 wurden in etwa 99 Prozent aller Fälle die Grenzwerte eingehalten.

Auch in Sachen Preis, Komfort und Ökobilanz kann das Wasser aus dem Hahn punkten. Während abgefülltes Wasser oft Tausende Kilometer transportiert wird und meist in umweltschädlichen PET-Flaschen daherkommt, kommt das Trinkwasser aus dem Wasserhahn komplett ohne CO2-intensive Transporte aus. Ähnlich sieht es beim Preis aus: Durchschnittlich 0,50 Euro kostet der Liter Mineralwasser in Deutschland – Trinkwasser gerade einmal 0,002 Euro.

Doch warum zweifeln Menschen immer noch am Wasser aus dem Hahn?

Die Deutschen lieben „natürliches“ Mineralwasser, 140 Liter davon kauft jeder im Schnitt pro Jahr davon. Ein wichtiger Faktor dafür ist sicher die Angst vor Giftstoffen im Leistungswasser. Aus der Landwirtschaft gelangen zum Beispiel große Mengen Pestizide und Düngemittel wie Nitrate in unsere Seen und Flüsse oder sickern durch den Boden ins Grundwasser. Auch Medikamentenrückstände und Chemikalien können das Grundwasser und damit auch das Trinkwasser verunreinigen. Die gute Nachricht: Die Sorgen sind verständlich, aber eher unbegründet. Die Filterverfahren der Wasserversorger verbessern sich stetig und sind schon heute äußerst streng. Selbst vom Umweltbundesamt heißt es, die Menge der Schadstoffe im Trinkwasser seien so gering, dass sie nicht gesundheitlich bedenklich seien.  So wurden bei Qualitätskontrollen zwischen 2011 und 2013 in etwa 99 Prozent aller Fälle die Grenzwerte eingehalten.

Mineralwasser hat keine bessere Qualität als Leitungswasser

Außerdem ist auch Mineralwasser nicht frei von solchen Belastungen. Die Stiftung Warentest fand im vergangenen Jahr in drei von 20 Mineralwasser-Proben Verunreinigungen – zum Beispiel durch Schadstoffe aus der Landwirtschaft oder Rückstände von Schwermetallen. Stiftung Warentest merkte außerdem an, dass für Leitungswasser oft strengere Grenzwerte gelten als für Mineralwasser, z. B. bei Pestiziden und Uran. Bei der Untersuchung 2012 von TEST kam außerdem heraus, dass Leitungswasser oft mineralstoffreicher ist als viele Mineralwässer.

Gesundheitsschädlich könnte auch die Abfüllung in Plastikflaschen sein. Immerhin werden rund drei von vier Litern Wasser noch PET-Flaschen verkauft. Forscher der Goethe-Universität Frankfurt fanden Rückstände hormonähnlicher Substanzen in Wasser aus Plastikflaschen. Wie gesundheitsschädlich das wirklich ist, lässt sich noch nicht hundertprozentig sagen. Dazu kommt der große Müllberg durch die Plastikflaschen. Rund 70 Prozent der Pfandflaschen sind eigentlich Einweg-Müll, d.h. sie werden entweder mit viel Energie recycelt oder landen einfach auf dem Müll.

Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen auf Plastikflaschen verzichten wollen und sinnvoller Weise zum Leistungswasser aus PET-freien Trinkflaschen greifen.

Am Ende wollen wir euch das wirklich, lustige Video der australischen Initiative „Be smart choose tap” –also sei schlau und nimm Leitungswasser – empfehlen.

Wie steht ihr eigentlich zum Thema Wasser? Nehmt ihr lieber eure eigene Trinkflasche mit Leitungswasser mit ins Büro oder setzt ihr auf Mineralwasser?