Food

Urban Farming: Salat aus dem Londoner Unterground

In Großstädten entdecken immer mehr urbane Farmer unterirdische Räume für den Gemüseanbau. So bauen zwei Londoner  Rucola, Sojasprossen und anderes Gemüse in alten Bunkeranlagen an.

Wie lassen sich über neun Milliarden Menschen in Zukunft ernähren? Eine Frage, auf die es bisher kaum befriedigende Antworten gibt. In den nächsten 35 Jahren wird die Weltbevölkerung rasant wachsen und damit auch die Nachfrage an Getreide, Fleisch und Gemüse. Laut den Vereinten Nationen werden in Zukunft Dreiviertel der Weltbevölkerung in Städten leben. Daher rückt die Stadt als Anbaufläche immer stärker in den Fokus.

Gemüse aus dem Luftschutzbunker

Wie der Stadtacker der Zukunft aussehen könnte, zeigt ein Beispiel aus London. Das derzeit begehrtestes Gemüse der englischen Hauptstadt wächst unter der Erde, genau genommen 33 Meter unter dem Stadtteil Clapham, nahe der Themse. Auf den 10.000 Quadratmeter einer ehemaligen Bunkeranlagen bauen Richard Ballard und Steven Dring ihr „Zero Carbon Food“ an – Salat, Rosenkohl, Radieschen und viele Kräuter. Die Produkte sind frisch, regional und klimafreundlich, so das Versprechen des Startups. Die Gründer haben dafür ein ausgeklügeltes Anbausystem entwickelt. LED-Lampen liefern wachstumsförderndes Rotlicht. Hydrokulturen versorgen die Pflanzen mit Nährstoffen, wiederverwertbare Kokosfasermatten dienen als Nährboden. Das spart Dünger und verbraucht bis zu 70 Prozent weniger Wasser als konventionelle Landwirtschaft.

Ewiger Frühling erleichtert die Ernte

Auch Ratten und Schädlingen verirren sich nur selten auf die Farm. Auf Pestizide verzichten die Briten. Ein weiterer Vorteil: Im Untergrund herrscht ewiger Frühling mit konstanten 16 bis 20 Grad Celsius. Die Wärme kommt aus den benachbarten U-Bahn-Tunneln. Durch die optimalen Wachstumsbedingungen können Ballard und Dring fast im Wochentakt ernten. Doch nicht nur wegen der Produktivität und die Klimafreundlichkeit stehen die Lebensmittelhändler und Restaurants der Umgebung Schlange. Dank äußerst kurzer Lieferwege landet das frische Gemüse innerhalb weniger Stunden auf dem Teller oder im Regal. Die Aromen sind dadurch deutlich intensiver als nach einem langen Transport oder einer Lagerung.

Doch es gibt auch Kritik am Zero Carbon Food. Ein häufiger Vorwurf: Die Gründer produzieren Luxusgemüse mit interessanter Geschichte, leicht zu vermarkten in teuren Restaurants und Feinkostenläden. Den Hunger dieser Welt könne das Konzept nicht lindern, so die Kritiker. Davon lassen sich Ballard und Dring nicht beirren, inzwischen haben sie Pilze und Tomaten in ihr Sortiment aufgenommen.

 

Bild: Copyright: Zero Carbon Food ZCF